Reifen ABC

In Gutachten, auf Reifenflanken und in Fahrzeugscheinen tauchen viele Kürzel auf. Dieses Reifen ABC erklärt die wichtigsten Begriffe – so kannst du Reifen- und Felgenkombinationen besser einordnen, Fehler vermeiden und die Hinweise aus Gutachten/ABE/Teilegutachten richtig verstehen.

Tipp: Für die Gutachten-Suche auf Felgengutachten.de sind meist KBA-Nummer (falls vorhanden), Felgengröße und ET entscheidend. Reifenwerte wie LI oder Speedindex spielen häufig bei Auflagen/Abnahmen eine Rolle.

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DOT-Nummer (Produktionsdatum)

Die DOT-Nummer ist eine Kennzeichnung auf der Reifenflanke. Die letzten vier Ziffern geben das Herstellungsdatum an: KW (Kalenderwoche) und Jahr. Beispiel: 2324 bedeutet 23. Kalenderwoche 2024.

Illustration: DOT-Code auf der Reifenflanke
Beispielhafte Illustration: DOT befindet sich meist auf einer Reifenflanke (je nach Hersteller innen/außen).

Lastindex (LI) & Geschwindigkeitsindex

Lastindex (LI) und Geschwindigkeitsindex gehören zu den wichtigsten Reifenangaben. Beide Werte müssen zur zulässigen Achslast und zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit passen.

Lastindex (LI)

Illustration: Lastindex (LI) und Tragfähigkeit
Illustration: Der Lastindex (LI) steht für die Tragfähigkeit pro Reifen und wird über Tabellen zugeordnet.

Der Lastindex ist eine Zahl (z. B. 91), die einer maximalen Tragfähigkeit pro Reifen entspricht. Die genaue Zuordnung erfolgt über Tabellen. Einige häufige Beispiele:

LI Tragfähigkeit (kg) pro Reifen
88560
91615
94670
97730

Hinweis: Diese Beispiele dienen der Orientierung. Maßgeblich ist die komplette LI-Tabelle und die Achslast deines Fahrzeugs.

Geschwindigkeitsindex

Illustration: Geschwindigkeitsindex der Reifen (Beispiele)
Illustration: Der Geschwindigkeitsindex ist ein Buchstabe und beschreibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens.

Der Geschwindigkeitsindex ist ein Buchstabe (z. B. V oder W) und steht für die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens. Häufige Beispiele:

Index bis (km/h)
T190
H210
V240
W270
Y300

M+S & Schneeflocke (3PMSF)

M+S („Mud and Snow“) wird häufig für Winter- oder Ganzjahresreifen verwendet. Zusätzlich gibt es das 3PMSF-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke). Es ist ein stärkerer Hinweis darauf, dass der Reifen definierte Wintereigenschaften erfüllt.

Illustration: M+S und 3PMSF Symbol
Illustration: M+S und 3PMSF sind typische Markierungen bei Winter-/Ganzjahresreifen.

Luftdruck

Der richtige Luftdruck ist entscheidend für Sicherheit, Bremsweg, Reifenverschleiß und Verbrauch. Zu wenig Luftdruck kann zu Überhitzung führen und die Reifen beschädigen. Zu hoher Luftdruck kann Komfort und Grip verschlechtern und zu ungleichmäßigem Abrieb führen.

Maßgeblich sind die Herstellerangaben (Tankdeckel, Türrahmen, Bordbuch). Bei Beladung/Autobahnfahrten gelten oft abweichende Werte.

Profiltiefe

Je geringer die Profiltiefe, desto höher das Risiko für Aquaplaning und desto schlechter die Haftung bei Nässe. In Deutschland gilt eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm – aus Sicherheitsgründen wird im Winter oft deutlich mehr empfohlen.

Laufrichtung / Rotation

Viele Reifen sind laufrichtungsgebunden (Directional) oder asymmetrisch. In beiden Fällen sind Markierungen auf der Flanke wichtig:

  • „Rotation“ / Pfeil: Reifen muss in dieser Richtung abrollen.
  • „Outside“: diese Seite gehört nach außen (asymmetrische Reifen).

Runflat / Notlaufreifen

Runflat-Reifen (Notlaufeigenschaften) ermöglichen eingeschränktes Weiterfahren nach Druckverlust. Je nach Hersteller finden sich unterschiedliche Kennungen (z. B. RFT, SSR, ZP). In der Praxis sind Runflat-Reifen häufig nur für bestimmte Fahrzeuge/Fahrwerke freigegeben und werden oft in Kombination mit RDKS eingesetzt.

E-Kennzeichnung (ECE) & ETRTO

Eine E-Kennzeichnung (z. B. „E4“) zeigt an, dass der Reifen nach einer ECE-Regelung geprüft wurde. Die ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation) legt technische Standards fest, damit Reifen- und Felgenmaße europaweit kompatibel definiert sind.

RDKS / TPMS

Ein Reifendruckkontrollsystem überwacht den Druck und warnt bei Abweichungen. Es gibt direkte Systeme (Sensor im Rad) und indirekte Systeme (Auswertung über ABS/ESP). Mehr Details findest du im Wiki-Artikel: RDKS / TPMS.

Weitere Begriffe (Kurz erklärt)

  • Bar: Maßeinheit für Luftdruck (umgangssprachlich „Reifendruck“).
  • Abrollumfang: Strecke pro Radumdrehung; relevant für Tacho/Übersetzung.
  • Karkasse: Grundkonstruktion des Reifens (Tragstruktur).
  • Sägezahn: ungleichmäßiger Abrieb (häufig lauter/rauer Lauf).
  • Schulterabrieb: oft Hinweis auf falschen Luftdruck oder Achsgeometrie (Spur/Sturz).
  • Ganzjahresreifen: Kompromiss aus Sommer/Winter – praktisch, aber meist in Extremen unterlegen.

Verwandte Wiki-Artikel: Auflagen im Gutachten, Felgenkennzeichnungen, RDKS/TPMS.