Felgengutachten selbst prüfen – Schritt für Schritt durchs PDF

Kurz gesagt: Ein Felgengutachten ist kein Roman – es ist ein stark strukturiertes Dokument. Wenn du weißt, wo was steht, kannst du in wenigen Minuten selbst prüfen, ob das PDF zu deiner Felgen-Fahrzeug-Kombination passt. Du brauchst dafür keine Ausbildung zum Sachverständigen, sondern nur einen ruhigen Blick auf fünf Stellen im Dokument.

Direkt ausprobieren: zur Hauptsuche · zur KBA-Suche · Auflagen im Detail verstehen · Eintragung & Abnahme

1. Warum du das Gutachten vor der Montage lesen solltest

Es gibt zwei typische Situationen, in denen ein nicht gelesenes Gutachten teuer wird: Entweder passt die Felge zwar grundsätzlich zum Fahrzeug, aber eine bestimmte Reifenkombination oder Tieferlegung ist nicht freigegeben – dann kippt die Betriebserlaubnis. Oder: Das Gutachten gilt zwar für den Audi A4, aber nur für eine bestimmte Typvariante. Bei der Abnahme oder in einer Polizeikontrolle fällt das auf.

Beides lässt sich in der Regel vermeiden, wenn du vor dem Kauf oder spätestens vor der Montage einen sauberen Blick ins PDF wirfst. Die gute Nachricht: Alle relevanten Angaben stehen meist auf fünf bis sechs Seiten, der Rest ist juristischer Rahmen.

2. Die Titelseite – Dokumenttyp und Gültigkeit

Die erste Seite zeigt dir was du da überhaupt vor dir hast. Drei Angaben sind entscheidend:

  • Art des Dokuments: Steht dort „Allgemeine Betriebserlaubnis" (ABE) oder „Genehmigung nach ECE-R124" – dann brauchst du in der Regel keine Einzelabnahme, solange alle Auflagen eingehalten sind. Steht dort „Teilegutachten" oder „Gutachten nach § 19 (3) StVZO", ist nach der Montage immer eine Abnahme beim TÜV oder DEKRA nötig.
  • Genehmigungsnummer: Bei ABE ist das die fünfstellige KBA-Nummer (z. B. „48727"), bei ECE-Dokumenten eine Nummer mit E-Präfix wie „E1*124R-003218". Diese Nummer muss später exakt mit der Prägung auf deiner Felge übereinstimmen.
  • Ausstellungsdatum und ggf. Nachträge: Ein Gutachten kann im Laufe der Jahre erweitert worden sein. Dann findest du auf der Titelseite Hinweise wie „Anlage 14" oder „Nachtrag 3". Das ist normal und spricht nicht gegen das Dokument – im Gegenteil, meist sind über Nachträge zusätzliche Fahrzeuge oder Größen nachgereicht worden.

Wenn die auf der Felge geprägte Nummer und die Nummer auf der Titelseite nicht identisch sind, gehört das Dokument nicht zu dieser Felge. Dann brauchst du ein anderes.

3. Die technischen Daten der Felge

Meist auf der zweiten oder dritten Seite findest du einen Block mit den exakten Felgendaten. Diese müssen alle mit deiner Felge übereinstimmen:

  • Hersteller und Serien-/Typbezeichnung – z. B. „RIAL CT 858" oder „BORBET CWA". Diese Bezeichnung ist oft auch auf der Innenseite der Felge eingegossen.
  • Felgengröße in der Schreibweise Breite × Durchmesser, z. B. „8.5Jx18" oder „7.5Jx17". Beide Werte müssen stimmen, weil eine 8Jx18 technisch anders ist als eine 8.5Jx18.
  • Einpresstiefe (ET) in Millimetern. Die ET entscheidet, wie weit die Felge nach außen steht. Abweichungen hier sind oft der Grund, warum Felgen am Kotflügel streifen oder die Radabdeckung nicht reicht.
  • Lochkreis (LK), geschrieben als „5×112" oder „5×108" – erste Zahl ist die Anzahl der Bolzen, zweite die Teilung in Millimetern.
  • Mittenlochdurchmesser (ML) in Millimetern. Wenn der ML der Felge größer ist als die Radnabe deines Fahrzeugs, brauchst du Zentrierringe.

Die fünf Werte zusammen identifizieren eine Felge technisch eindeutig. Stimmt auch nur einer nicht überein, hast du wahrscheinlich nicht das richtige Dokument vor dir.

4. Der Verwendungsbereich – Fahrzeugliste mit Typ-Code

Jetzt kommt der Teil, den viele falsch lesen. Das Gutachten enthält eine Fahrzeugliste, meist tabellarisch über mehrere Seiten. Jede Zeile besteht aus:

  • Fahrzeughersteller (z. B. AUDI)
  • Typ / Baureihe (z. B. A4 Avant)
  • Typ-Code oder HSN/TSN-Schlüsselnummer (z. B. 0588/AXX)
  • ggf. Baujahr, Motorisierung, Achslasten
  • eine Ziffer oder Buchstabe, die auf spezifische Auflagen im Anhang verweist

Der wichtigste Punkt: Dein Fahrzeug muss mit seiner exakten Typvariante in dieser Liste stehen. Es reicht nicht, wenn nur „AUDI" dort steht und du auch einen Audi fährst. Die ABE kann bewusst für bestimmte Motorisierungen oder Baureihen ausgeschlossen sein.

Den Typ-Code deines Fahrzeugs findest du in der Zulassungsbescheinigung Teil I (früher „Fahrzeugschein") in den Feldern 2.1 (HSN) und 2.2 (TSN). Bei älteren Scheinen waren es die Felder 2 und 3. Die Kombination aus beiden Werten ist eindeutig – zwei gleiche Autos mit unterschiedlichen Motoren haben unterschiedliche TSN.

Wenn deine TSN nicht in der Liste steht, aber das Fahrzeugmodell nah dran ist, kann über eine Einzelabnahme nach § 21 StVZO trotzdem die Eintragung möglich sein. Das ist aber aufwendiger und teurer als der Standardweg.

5. Die Auflagen im Anhang

Praktisch jedes Felgengutachten endet mit einem Auflagenanhang, oft als „Anlage" oder „Bemerkungen" betitelt. Hier stehen die Bedingungen, unter denen die Felge überhaupt genutzt werden darf. Typische Auflagen sind:

  • Reifenkombinationen: Nicht jede Reifengröße darf auf die Felge. Meist ist eine Liste erlaubter Dimensionen angegeben, z. B. „225/40 R18 92Y" oder „235/40 R18 95W XL".
  • Freigängigkeit: Hinweise wie „ggf. Kotflügelkante bördeln" oder „nur in Verbindung mit Tieferlegung max. 30 mm". Das klingt oft harmlos, ist aber bei der Abnahme bindend.
  • Radabdeckung: Die Auflage „Radabdeckung muss gewährleistet sein" meint: Der Reifen darf nicht über die Außenkante des Kotflügels hinausstehen. Mehr dazu im Wiki-Artikel zur Radabdeckung.
  • Distanzscheiben: Ein eindeutiger Verweis, ob und in welchem Umfang Spurverbreiterungen zulässig sind. Siehe auch Distanzscheiben.
  • Radschrauben: Bei Zubehörfelgen sind oft andere Schrauben nötig (Bundform, Länge). Die konkreten Werte stehen in der Auflage. Mehr dazu in Radschrauben & Radmuttern.
  • RDKS/TPMS: Bei neueren Fahrzeugen meist der Hinweis, dass die vorhandenen Sensoren wieder angelernt oder neue verbaut werden müssen. Mehr dazu unter RDKS/TPMS.

Die Auflagen sind in der Regel mit Buchstaben oder Ziffern codiert (z. B. „A01", „B12"). In der Fahrzeugliste stehen dann diese Codes pro Fahrzeug. Das heißt: zwei Fahrzeuge können dieselbe Felge fahren, aber unterschiedliche Auflagen einhalten müssen. Prüfe also gezielt die Codes für dein Fahrzeug.

6. Unterschrift und Prüforganisation

Am Ende eines seriösen Felgengutachtens steht eine Unterschrift der Prüforganisation – üblich sind TÜV (Nord, Süd, Hessen, Rheinland, etc.), DEKRA, KÜS oder GTÜ. Zusammen mit einem Dienstsiegel und einem Aktenzeichen. Ohne diese Unterschrift ist das Dokument nicht gültig.

Bei Dokumenten mit mehreren Nachträgen wiederholt sich das Unterschriftsblock am Ende jedes Nachtrags. Das ist normal und kein Zeichen für Unvollständigkeit.

7. Eine typische Prüfung in 5 Minuten

Wenn du geübt bist, kannst du ein Gutachten in etwa fünf Minuten sauber durchgehen. Die Reihenfolge:

  • Titelseite: Dokumenttyp, KBA-/ECE-Nummer, Ausstellungsdatum
  • Technische Daten: Hersteller, Serie, Größe, ET, Lochkreis, ML
  • Fahrzeugliste: Typ-Code (HSN/TSN) suchen, Auflagen-Code notieren
  • Auflagen-Anhang: Codes nachschlagen, Reifenkombinationen prüfen
  • Schlussseite: Unterschrift vorhanden?

Wenn an einer dieser fünf Stellen etwas nicht passt, hast du entweder das falsche Dokument, oder deine Felgen-Fahrzeug-Kombination ist mit dieser ABE nicht abgedeckt. In beiden Fällen lohnt es sich, auf Felgengutachten.de mit der KBA-Nummer erneut zu suchen – für dieselbe Felge existieren oft mehrere Gutachten mit unterschiedlichen Fahrzeugfreigaben.

8. Häufige Stolperfallen

Aus der Praxis sind drei Fehler besonders häufig:

  • Reifenbreite wird übersehen: Viele Leute prüfen nur die Felgengröße (z. B. 8Jx18), aber nicht, welche Reifen darauf erlaubt sind. Ein 245er-Reifen auf einer 8J-Felge, für die nur 225er und 235er freigegeben sind, kippt die ABE sofort.
  • Tieferlegung nicht beachtet: Wenn du zusätzlich tiefergelegt hast, ändern sich die Freigängigkeits-Auflagen. Manche Felgen sind explizit nicht mit Tieferlegung freigegeben.
  • Nachtrag ignoriert: Dein Fahrzeug ist nicht im Hauptteil, aber in einem späteren Nachtrag aufgeführt. Wer nur die erste Liste durchsucht, findet es nicht.

9. Wann lieber einen Fachmann fragen

Auch wenn du das Gutachten selbst lesen kannst, ersetzt das keine professionelle Abnahme. Bei diesen Situationen solltest du nicht sparen:

  • Wenn du mehrere Umbauten gleichzeitig hast (Felgen + Tieferlegung + Distanzscheiben), greifen die Auflagen ineinander und können sich widersprechen.
  • Wenn die Karosserie modifiziert wurde (z. B. gebördelte Kotflügel, Breitbau) – dann ist praktisch immer eine Einzelabnahme nötig.
  • Bei E-Autos und Hybriden sind die Achslasten oft höher als beim entsprechenden Verbrenner-Modell. Prüfe die Traglast, mehr dazu im Wiki unter Felgentraglast & Achslast.

Das Gutachten liegt dir noch nicht vor? Auf der Startseite kannst du mit der KBA-Nummer, dem Hersteller oder dem Fahrzeug das passende PDF finden – kostenlos und ohne Anmeldung.